Feen-Lied

Draußen, im dunklen Tale
Dort, wo die hohen Tannen stehen
Da sah ich im Mondlicht, dem fahlen
Eine sonderbare Gestalt spazieren geh'n.

Gekleidet in wundersames Geschmeide
Goldumrahmt das blonde Haar
Ein Schal im Wind, aus schönster Seide
So nahm ich sie gewahr.

Im Innern spürt' ich ihn, den süßen Schmerz
Ich wollt' es ihr sagen, öffnen meinen Mund
Es war da, jenes Klopfen in meinem Herz
Ich wollte schreien, es ihr tun kund.

Ich sprang hervor aus meiner Wacht
Ihr nachzueilen, sie zu küssen
Es musst' geschehen in dieser Nacht
sonst müsst' ich sie vergessen.

Ein Singen klang da nun im Walde
Weich und zart und voller Lieblichkeit
Vergessen ward der Wind, der Kalte
Sie standen da, die Feen aus ew'ger Zeit.

Inmitten ihrer Schwestern, da fand ich sie
Die schönste aller Feen
Alles um sie strahlte, ich vergess' es nie
Und ich spürte, sie würd' nun geh'n.

Mein Aug' ward voller Tränen schwer
Ich sah ihr Antlitz schwinden
Mein Herz, es weinte bitter sehr
Oh, Götter, wann werd' ich sie wiederfinden?

Werne, 11.07.1980